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19.07.2017

Neues Verfahren am Klinikum Arnsberg bringt schnelle Mobilität

Ein Kreuzbandriss ist doch kein Beinbruch!

Arnsberg. Das Ergebnis der Untersuchung war für Dennis Pinke zunächst ein Schreck: Verdacht auf Kreuzbandriss – und dabei war es doch nur eine falsche Bewegung beim Fußballspiel! „Ich weiß, dass es zu einer der typischen Fußballverletzungen gehört“, blickt der Sportler aus Oeventrop nur ungern zurück. Für eine Sekunde auf dem Rasen hatte er sich das Knie verdreht.

„Einmal in der Klinik ging dann alles ganz schnell“, erinnert sich Dennis Pinke heute zufrieden. Röntgen und ein Termin für die Abklärung im MRT sorgten für Klarheit: tatsächlich Kreuzbandriss! Am Klinikum Arnsberg haben Chefarzt Professor Dr. Sebastian Seitz und Oberarzt Dr. Julian Messler von der Klinik für Orthopädie im Klinikum Arnsberg den 31-Jährigen über die neuen Möglichkeiten einer Therapie nach Kreuzbandriss informiert. „Das Verfahren ist 2012 an der Uniklinik in Bern entwickelt worden“, erklärt Chefarzt Prof. Seitz. In drei Jahren sind an der Schweizer Klinik rund 300 Patienten mit Kreuzbandriss nach der neuen Methode behandelt worden und konnten mit guten Ergebnissen entlassen werden. Am Klinikum Arnsberg wurden seit Herbst 2016 bereits 15 Patienten nach der neuen Methode bei Kreuzbandriss therapiert, alle Rückmeldungen waren positiv.

Prof. Seitz (sitzend) und Dr. Messler mit Patient Dennis Pinke

„Bisher wurde beim Kreuzbandriss meist nur eine körpereigene Sehne eingesetzt und im Knochen fixiert“, so der Facharzt. Das jetzt im Fall von Dennis Pinke angewandte Verfahren zeichnet sich aber durch eine Besonderheit aus. „Das eigene Kreuzband wird erhalten und dynamisch stabilisiert.“, erklärt Oberarzt Dr. Julian Messler, der die OP begleitet hat. Um diese Stabilisierung für eine gute Heilung des Kreuzbandrisses zu erhalten, wird nach dem Schweizer „Ligamys“-Verfahren ein nur 1,8 mm starker Faden durch das Knie gezogen. Durch eine kleine Feder im Knie wird der mit einem Anker gefestigte Faden stets unter Spannung gesetzt – die einst natürliche Vorspannung des Knies bleibt so erhalten. Für Prof. Seitz liegen die Vorteile dieses neuartigen Verfahrens auf der Hand: „Das gerissene Kreuzband kann im Idealfall wieder zusammenwachsen und seine Funktionsfähigkeit  zurückerlangen“, beschreibt der Mediziner. „Dieser Eingriff wird zudem bei uns minimalinvasiv durchgeführt und der Patient ist schnell wieder fit und mobil“, beschreibt der Chefarzt. Wichtige Argumente, die auch den verletzten Sportler überzeugten.

„Für diese Art der Therapie ist derzeit nur eine Einschränkung bekannt – innerhalb von 21 Tagen nach dem Unfall therapiert werden“, erklärt Chefarzt Prof. Seitz. Sonst habe das Gewebe schon Narben gebildet, die das Wiederanwachsen des verletzten Kreuzbands erschweren.

Fußballer Pinke hat sich deshalb schnell für eine Operation nach dem „Ligamys“-Verfahren entschieden. „Ich hatte nicht viel Zeit zum überlegen, bin heute aber froh, dass ich diesen Weg gewählt habe“, sagt Dennis Pinke. Noch im erforderlichen Zeitfenster sei er zweieinhalb Wochen nach dem Sportunfall operiert worden und ist heute sehr zufrieden. „Ich habe Bekannte mit Kreuzbandriss getroffen, bei denen es nicht so gut gelaufen ist“, schildert Pinke. Immer noch müssten sie mit Gehhilfen oder Schiene laufen, während er schon fast beschwerdefrei und ohne technische Unterstützung unterwegs sei. Nur für fünf Tage war eine Gehhilfe nötig und schon drei Wochen nach der OP konnten die ersten Versuche auf dem Fahrrad unternommen werden! Nach sechs Wochen konnte er seine Arbeit wieder aufnehmen.

„Laut Studienlage zeigten über 95% der mit diesem Verfahren versorgten Patienten, in den Nachuntersuchungen nach 2 Jahren sehr gute Ergebnisse“, weiß Prof. Seitz. Vor der OP nach dem „Ligamys“-Verfahren muss jedoch geklärt werden, an welcher Stelle das Kreuzband gerissen ist. In der Regel lässt sich das Verfahren bei 80 Prozent der Kreuzbandverletzungen einsetzten. „Vorraussetzung ist aber immer eine schnelle Diagnose und ein gesundheitlich passender Umstand beim Patienten“, ergänzt Oberarzt Dr. Messler. Generell wird das Verfahren jungen Menschen empfohlen, die sportlich aktiv sind und bleiben möchten. Die schnelle Mobilität verringert den Abbau von Muskelmasse – ein Vorteil, von dem sich Fußballer Dennis Pinke ganz persönlich überzeugen konnte. „Das war genau die richtige Entscheidung“, blickt Dennis Pinke jetzt zurück, während er schon wieder die Vorbereitung für die Fußballsaison bei der 1. Herren des TuS Oeventrop denken kann.

Während der eingesetzte Faden im Laufe der Zeit aufgrund des verheilten Kreuzbandes seine Funktion verliert, kann sich Dennis Pinke jetzt noch entscheiden, ob er sich etwa ein Jahr nach der OP die Feder wieder ambulant entfernen lassen möchte, was jedoch nicht zwingend nötig sei, versichert Prof. Seitz.

von links: Professor Dr. med. Sebastian Seitz, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Dr. med. Julian Messler, Ltd. Oberarzt, Klinik für Orthopädie